Hüttenwäldchen Stollen Dermbach Samstag, 16.12.2017, 15:40:03
Hwttenwäldchen Stollen Dermbach Mineralien & Bergbaufreunde Siegerland-Herdorf e.V - Brauchtumspflege im ehemaligen Eisenerzbergbaurevier Siegerland-Herdorf
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Hüttenwäldchen Stollen Dermbach


Der Hüttenwäldchenstollen

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  Der Hüttenwäldchenstollen


Die Wiederentdeckung der vergessenen Tiefbauanlage

Mitte der 1990er Jahre hatten die Mineralien- und Bergbaufreunde Herdorf e.V. begonnen, das nur noch mit dem Such seines Gewölbes aus dem Berghang neben der Straße Struthütten-Dermbach herausschauende, damals für den Tiefen Stollen der Grube gehaltene Bauwerk zu öffnen und den Zugang zu den dahinter verborgenen Grubenbauen wieder möglich zu machen. Dabei kam überraschenderweise die Anlage eines kleinen untertage angelegten Maschinenschachtes zum Vorschein, wie er in den frühen Jahren des industriellen Bergbaus nach der Mitte des 19. Jhdts. für viele Betriebe im Siegerländer Eisenerzbezirk typisch war und über den nur wenig heute noch bekannt ist. Die in ihren Grundzügen gut erkennbaren Relikte stellen ein wertvolles technisches Denkmal dar. Aber auch die Grube und ihr Werdegang sind ein gutes Beispiel für viele kleinere der gegen Ende des 19. Jhdts. noch in Betrieb befindlichen um die 100 Bergwerksbetriebe dieses Bezirks. Sowohl ihre technische wie auch geschichtliche Entwicklung vermögen einen interessanten Einblick in den damaligen Bergbau des Siegerlandes zu vermitteln.

Die Lagerstätte

An der Straße von Struthütten zum alten Bergmannsdorf Dermbach lag die kleine Eisensteinzeche wenig unterhalb des Wegeabzweiges nach Concordia, etwas talaufwärts schräg gegenüber der einst berühmten Grube Guldenhardt. Ihre Lagerstätte gehörte, wie dort, zu einer von mehreren Reihen O-W streichender, meist kleiner Gänge, die in der Quergangzone nördlich von Herdorf zwischen den ausgeprägten O-W Lagerstättenzügen von Hollertszug, Bollnbach und Stahlert verliefen. Ihre Größe war weniger auffallend, weit geringer als auf der gegenüber am Talhang gelegenen Grube Guldenhardt und entsprach etwa der der kleinen Grube Neues Glück in Herdorf, auf der die erste Dampffördermaschine im hiesigen Bezirk des Siegerländer Eisenerzbergbaus 1858 zum Einsatz gekommen ist.

Der Eisenerzgang setzte gleich westlich des Zusammenflusses der von Dermbach und Concordia herabkommenden Bachläufe etwa 45 m hoch am hier steil ansteigenden Südosthang des Seelenberges auf. Er verlief in seinem etwa 60 m langen Hauptteil nahezu N-S und bog nach Norden in O-W Richtung um. Sein südliches Ende wurde von einer ausgeprägten O-W Störungszone begleitet und auch auf tieferen Sohlen mit ca. 100 m Verwurf abgeschnitten. Der 3 m mächtige Gang war bereits oben mit primärem Spateisenstein ausgefüllt. Er wurde nesterweise und in kleinen Trümern von Cu-Erzen begleitet.

Die Pingen stellen sich zum Teil als tiefere Nachstürze dar, wie sie besonders bei nachträglichen Firstenbauen auf Gangreste entstehen. Eine von ihnen scheint allein zur Versatzgewinnung herangezogen worden zu sein (sog. Bergemühle). In einer anderen hat offenbar ein jüngerer Schacht gestanden. Aus den Tagesbefunden kann man einen älteren Bergbau kaum ableiten. Die Fingen lassen keine Anzeichen, wie besonders Spuren von Haspelschächten, früher abwärts gerichteten Abbaus (Strossenbau mit Schachtförderung) erkennen, wie er allgemein vor 1800 im Siegerländer Eisenerzbergbau noch betrieben wurde. Außer dem verbrochenen Einschnitt eines

höher gelegenen Versuchsstollens im N des Feldes "Hüttenwäldchen" kann man weiter unten noch den schon stark erodierten Einschnitt eines weiteren Stollens ausmachen, der auf der Gangkarte des Siegerlandes 1909 keinen Eintrag mehr gefunden hat. Auffallend sind mehrere, gleich unterhalb der Fingen liegende, kaum Vegetation zeigende haldenartige Aufwürfe, wie man sie auf Bergbauresten von Metallerzgruben finden kann.

Die Berechtsame

Die älteste kartographische Situation des Bergwerks zeigt ein, sehr wahrscheinlich zur Verleihungsakte des benachbarten Bergwerksfeldes "Grubenhütte" gehörender, alter Lageplan von 1859, auf dem die Grube schon von einem Tiefen Stollen vom Talgrund her erschlossen ist. Ursprünglich besaß sie zwei Längenfelder, was offenbar darauf zurückgeht, daß die erste Mutung auf das generell NNW-SSO verlaufende Grubenfeld einen südlich anschließenden anscheinend O-W verlaufenden Teil der Lagerstätte nicht mit umfaßte. Er ist später mit dem Feld "Hüttenwäldchen Fortsetzung" belegt worden. Das nachträgliche Geviertfeld der Grube hat Haken, der sich als das nicht vom ihm überdeckte Reststück des ersten der alten Längenfelder ausweist.

Gemutet wurde das Vorkommen am 1.8.1832 und die Berechtsame auf Fe und Cu nach der Chursächsischen Bergordnung von 1559 an den Eigenlöhner Peter Dormann aus Struthütten am 28.6.1833 verliehen. Das Feld umfaßte l Fundgrube zu 42 Lachtern (L) + 2 Maaßen zu je 28 L bei 3 l /2 L Vierung (3). Der Name scheint der Flurbezeichnung "Gebirge und Waldort am Hüttenwäldchen" entlehnt Die Benennung könnte ein Hinweis auf ältere Eisenverhüttung im Gebiet der hier gelegenen Erzvorkommen sein. Mittelalterliche oder gar noch frühere Verhüttungsstellen sind aber an dieser Örtlichkeit bislang noch nicht entdeckt worden.

Der frühe Betrieb

Über den frühen Betrieb des Bergwerks gibt ein Befahrungs-Protokoll von 1864 recht genau Aufschluß. Der Bergwerkseigner legte danach zunächst einen Tagesschacht bis zu dem bei der Berichtsabfassung schon im Mundloch verbrochenen alten Oberen Stollen an und begann daraus mit dem Abbau der "von den Alten" als zu unbedeutend stehen gelassenen Nester und Schnüre von Cu-Erzen. Später nahm er auch den am Liegenden stehen gelassenen Spateisenstein mit. Zu Anfang der 1840er Jahre setzte er den Tiefen Stollen der Grube, wie er sich auf dem Lageplan von 1859 deutlich zeigt, unterhalb des Weges Struthütten-Dermbach etwa 12 m unter dem alten Oberen Stollen an. Er muß ihn indes nur sehr zögernd fortgetrieben haben.

Auch der folgende Besitzer Heinrich Ginsberg aus Herdorf hat ihn nur periodisch und recht langsam weiter gehauen, bis ein Jacob Gläser aus Siegen 1854 in den Besitz der Grube kam. Unter dem neuen Besitzer erreichte der Tiefe Stollen 1855 dann den Gang, wobei zugleich ein 4-6 m langes Trum scheidewürdiger und teilweise derber Cu-Erze gefunden wurde. Es verdrückte sich aber je etwa 5 m über und unterhalb der Stollensohle wieder. Das auf ihm geteufte Gesenk ist dann zur Eisensteingewinnung weiter betrieben worden, mußte aber aus Wettermangel wieder gestundet werden. Zugleich hat man den Gang nach NW und W bis an eine Kluft verfolgt, deren Ausrichtung über 5 m jedoch mißlang. Man schloß etwa 28 m Gang von 1-3 m Mächtigkeit auf, der aber nach W auf 0,2-0,6 m abnahm. Die Alten hatten auch hier meistenteils die Cu-Verer-zungen schon herausgenommen.

Zwei Jahre später legte man ein weiteres Gesenk an, das dann etwa 40 m tief in einem auch hier von den Alten schon abgebauten Cu-Erztrum abgesenkt oder aufgebaut worden ist. Auf seiner 19-L-Sohle hat man den Gang nach SO 2-3 m mächtig mit Spateisenstein ausgefüllt vorgefunden und konnte ihn nach Ausrichtung einer Störung auf über 15m Länge aufschließen. Auch hier war schon die Cu-Vererzung herausgenommen. Ein rund 12 m weitergeteuftes Gesenk kam schließlich auf eine Sohle der Alten. Ob damit deren tiefste Stelle erreicht worden war, konnte nicht mehr ermittelt werden, denn weitere Untersuchungen mußten wegen der kostspieligen Wasserhaltung und des Geschäftsrückganges infolge der Heeresmobilmachung von 1859 unterbleiben.

Damit ist auf der Lagerstätte auch älterer Bergbau belegt. Der Berichterstatter rechnete ihn wegen der sehr engen und niedrigen Arbeiten auf der Sohle des alten Oberen Stollens wie auch des tiefen Niedergehens unter denselben zu dem ältesten im Revier. Er meinte, daß vor dem Neu-beginn 1832 seit 100 Jahren kein Betrieb mehr dort stattgefunden habe. Im Jahre 1858 hat das Bergwerk noch die Geneh-migung zur Konsolidation seiner beiden Grubenfelder zu einem „unzertrennlichen Ganzen" bewirkt.

Man baute in diesen Jahren vornehmlich die von den Alten auf dem Hauptgang-mittel über dem Tiefen Stollen stehen ge-lassenen Eisenerze ab. Ab 1863 sümpfte man die Wasser im Gesenk auf dem Hauptgang wieder bis zu etwa 18m Teu-fe, um hier dann auch mit dem Abbau der Eisenerze zu beginnen. Man fand dabei auch ein 0,3-0,5 m mächtiges und auf 3 m bauwürdiges Cu-Erztrum.

Der Betrieb dieser Zeit spiegelt sich in den im Befahrungsbericht überlieferten Förderzahlen recht gut wieder, die in der Tabelle 1 bereits in das metrische System umgerechnet wurden.

Der Übergang zum maschinellen Tiefbau

Der Fortgang der Arbeiten erforderte nun den Übergang zum maschinellen Tiefbau, für den man einen Maschinenschacht etwa 12 m im Liegenden des Hauptganges projektierte. Als Höhenlage dafür bot sich nach inzwischen erfolgtem Ausbau der Straße Struthütten-Dermbach deren Niveau günstiger an, als der bisherige Tiefe Stollen, der unterhalb der Straße ausging. Die Erze waren bislang offenbar auf der Seelenberger Hütte bei Herdorf verschmolzen worden. Wahrscheinlich im Jahre 1863 begann man mit dem Vortrieb des neuen Stollens - dem Maschinenstollen - der Mitte 1864 dann etwa 33 m Länge erreichte. Bei rund 125 m sollte er auf den Schachtansatzpunkt treffen. Zugleich setzte man aus der Stre-cke, aus der der Hauptgang vom vorhandenen Tiefen Stollen aus einmal erreicht worden war, einen rund 12 m langen Querschlag zum dort projektierten Maschinenraum für die Dampfmaschine zur Förderung und Wasserhaltung an.

Für den zukünftigen Betrieb erwartete man bei erhofft günstiger Gangentwicklung eine jährliche Förderung von 2700 t Eisen- und etwas über 90 t Cu-Erze. Diese Vorstellungen trogen nicht. Denn ab 1864 ist nach der Statistik der Zeitschrift für das Berg-, Hütten-und Salinenwesen in dem Preussischen Staate (ZBHSW) zunächst eine tatsächlich bedeutendere Förderung feststellbar, in der auch die bekannteren Gruben des engeren Bezirks Aufnahme gefunden haben. Dabei fanden 1867 Förderergebnisse von weniger als 4000 t, 1872 von < 7500 t und 1878 von < 12500 t keine Erwähnung mehr in der ZBHSW.

Für das Jahr 1866 nennt die Zeitschrift die Herstellung von Maschinenraum sowie Wetterschacht mit Schornstein. Im gleichen Jahr wurde auf der nicht weit entfernten Grube Kulnwalderzug im Wasserquellestollen eine Dampfmaschine für Förderung und Wasserhaltung in Betrieb genommen, eine für diese Zeit nicht ungewöhnliche Maßnahme.

 Daß die Grube in den folgenden Jahren nicht mehr in den Statistiken erscheint, kann durchaus auch ihre Einstellung bedeuten. Ein im Jahre 1863 neu angelegter Grund-und Seigerriß erfuhr Nachträge erst wieder in den Jahren 1877 und 78, die aber nicht nennenswerten Umfang besitzen. Regelmäßige jährliche Nachträge sind vor 1898 nicht zu verzeichnen. Von 1878 liegt eine Benachrichtigung des Kgl. Grundbucham-tes (Amtsgericht Kirchen) an das Oberbergamt über die Eigentümer der Grube vor, die mit je 64 Kuxen als Jacob Gläser zu Fickenhütten und Dr. med. Martin Schenk zu Siegen genannt werden. Es sind übrigens die gleichen Eigner wie 1864 bei Abfassung des Befahrungs-Protokolls. Dieser Vorgang und die zeitgleiche Anla-ge des Grubenbildes lassen vermuten, daß sich jemand für das wohl ruhende Berg-werk interessiert hat.

Um 1890 erfolgte über einen notariellen Akt die Umwandlung der Gewerkschaft alten Rechts mit 128 (unbeweglichen) Kuxen in eine neuen Rechts mit 100 (beweg-lichen Kuxen). Dieses läßt auf neu erwachte Aktivitäten zu Investitionen schließen. Das Amtsgericht Kirchen benachrichtigte das Oberbergamt im gleichen Jahr wieder über den Eigner der Grube, als der nun die Gewerkschaft der Grube Hüttenwäldchen genannt wird.

Die neuen Gewerken selbst treten auf der Präsenzliste der Gewerkenversammlung vom 20.12.1899 in Erscheinung. Hauptgewerke ist ein Karl Schreiber aus Burbach mit 66 Anteilen. Weitere 12 Teilnehmer hielten 1-4 Anteile. Die Gewerkschaft bestellte 1901 einen Grubenvorstand, dem außer Karl Schreiber zwei Gewerken aus Bonn bzw. Köln angehörten. Die am gleichen Tage abgehaltene Gewerkenversammlung gab sich dabei ein neues Statut.

Mit diesen Aktivitäten wurde offenbar eine erneute - und zugleich die letzte - Betriebsperiode des Bergwerks eingeleitet, bei der auch wohl die Maschinenschachtanlage überhaupt erst zum Einbau gekommen ist. Das Grubenbild gibt deutlich Aufschluß über den Fortgang der Arbeiten. Der Schacht erreichte 1898 die 1. (= 42 m-) Sohle und ist zügig bis 1905 zur tiefsten 6. (= 230 m-) Sohle weitergeteuft worden. Über Förderung und Höhe der Belegschaft geben die erhaltenen Jahresberichte 1905 bis 1908 Auskunft. In dieser Zeit wird der Betrieb in den Statistiken der ZBHSW auch wieder erwähnt, während die Bergrevierbeschreibung von 1882 die Grube nicht besprochen hatte.

Das Bergwerk verfügte ausweislich des Grubenrisses von 1863 ff. auf der oberen  Halde (von den Ausbruchmassen des Maschinenstollens) über ein Zechenhaus und eine Schmiede. Auf der Halde des Tiefen Stollens befand sich eine kleine Aufbereitung mit 2 offenbar gemauerten Röstöfen. Von ihnen führte ein Zufahrtsweg zur Straße Struthütten-Dermbach, an deren linken Rand zugleich die Grubenbahn zur Grube Concordia entlang verlegt war. Noch 1907 stellte man auf der Halde einen Kompressor für die Einführung maschinellen Bohrbetriebes untertage auf.

Das Ende

Aber schon der Jahresbericht von 1908 verkündet das Ende. Der Abbau ging noch über der 150 m-, 190 m- und 230 m-Sohle um. Wegen der „ungünstigen Zeitverhältnisse" kam der Betrieb jedoch zur Einstellung. 1909 wurden noch die Dampf-und Steigrohre im Schacht ausgebaut und die auf der Halde liegenden Rostausschläge aufbereitet. Ende des Jahres sind noch 2 Mann angelegt und 80t Spateisenstein gefördert worden. Damit schloß eine weitere der kleineren Gruben des Siegerlandes, die noch um die Jahrhundertwende das Bild des Montanwesens hier wesentlich mitbestimmt hatten.

Die Lagerstätte war aber auch erschöpft. Außer den Schweben, die man alle aus wohl nicht mehr erfindlichen Gründen stehengelassen hatte, - nur die Aufrechterhaltung des Wetterzuges mag ihre Erhaltung gefordert haben - standen nur noch geringe Vorräte im letzten Drittel der Abbauhöhe über der 230 m-Sohle und noch auf zwei kleinen Gangstücken an, die man später noch in der westlichen Gangfortsetzung auf der 150 m- und 190 m-Sohle aufgefunden hatte. Deren tiefere Fortsetzung auf der 230 m-Sohle wird wegen geringer Abmaße wohl nicht mehr zum Abbau gereizt haben, sie wurde jedenfalls nicht mehr in Angriff genommen.

Das Grubenbild gibt deutlich die mangelhafte Kenntnis der letzten Betreiber über das Verhalten des Ganges und seine Einbettung in die Tektonik des Nebengebirges wieder. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die geologische Bearbeitung des Lagerstättenbezirks stand noch in den Anfängen. Auch werden die Mittel der Bergwerksbetreiber keine größeren Lagerstättenuntersuchungen zugelassen haben. Was man erkennen kann, ist das Bemühen der Markscheider, das Gangverhalten zu ergründen. Sie haben Gang und Störungen sauber und genau aufgetragen, jedoch fehlte ihnen zu deren Deutung die Erfahrung späterer Generationen. So übersahen sie eine markante Seitenverschiebung vom Typ der rechtsverwerfenden Mahlscheid-Störung, die im Gangraum San Fernando-Große Burg später mit 250 m Verschubweite erkannt wurde.

Auf  allen Sohlen, besonders den 3 unteren, tritt sie deutlich auf und verwirft den Gang nach rechts um etwa 100 m. Man hat die Störung zwar verfolgt und den Gang wieder nach dieser Länge ausrichten können, aber dann doch den konsequenten Versuch hinter einem weiteren Störungsast unterlassen. Weshalb sie auf der 150 m-Sohle eine Untersuchung weit nach O trieben, bleibt verborgen. Auch eine längere Strecke am westlichen Gangende auf der 110 m-Sohle nach N ist ebenso unbegreiflich. Die hier im O mögliche Fortsetzung ist nicht ange-gangen worden. So hat die Grube Möglichkeiten zur Vergrößerung ihrer Gangfläche versäumt, was übrigens bei sehr vielen Gruben des Bezirks damals zu vorzeitigem Ende ihres Betriebes geführt hat. Man kann hieran die außerordentliche Bedeutung erkennen, die der spätereren intensiven markscheiderisch-geologischen Lagerstättenforschung bei Gangvorkommen wie denen des Siegerlandes beizumessen war.

Auf dem Grubenriß fällt noch auf, daß die höheren Bereiche direkt ober- und unterhalb des Tiefen Stollens sehr unklar hervortreten. Dem Markscheider haben offensichtlich nur wenige und lückenhafte Grubenrisse davon aus früherer Zeit zur Verfügung gestanden. Er hat dennoch versucht, Beziehungen zum tieferen Gangverhalten aufzuzeigen, worauf eine im Seigerriß der Profilebene eingezeichnete flache Störung hindeutet. Hier scheint tatsächlich eine Diskontinuität vorzuliegen, wie sie auch auf anderen Siegerländer Lagerstätten, zum Beispiel Große Burg bei Altenseelbach, zu beobachten war. Ein Glück für die Betreiber der Grube nach 1898, daß sich der Hauptgang im Kern so einheitlich verhalten hat, was schon auf eine größere Spaltenkraft und damit gutes Aushalten hinweist. In dem fraglich höheren Bereich ist 1899 der letzte Eisenstein abgebaut worden.

Die Bedeutung und Aussage des technischen Denkmals

Was die wieder erschlossene Grube aber so interessant macht, ist, daß darin die Anlage eines frühen Maschinenschachtes des Siegerländer Eisenerzbergbaus in ihrem wesendichen Aufbau zu sehen ist. Sie gibt Auskunft über die Vorgehensweise der früheren Bergleute beim Übergang vom Stollenbau zum Tiefbau und vermittelt Einblicke in Einzelheiten ihrer Projektierungen. Gewöhnlich haben die Bergwerke unter den im Bergbaubezirk vorliegenden topographischen Gegebenheiten in der vorindustriellen Zeit noch Stollenbau betrieben. Nur bei Metallerzgruben mit ihren regelmäßig viel engräumigeren Gangvorkommen ist der Tiefbau unter die Stollensohle schon früher in Gang gekommen. Dort benutzte man oft wasserradbetriebene Förder- und Pumpenanlagen, wie beispielsweise auf Grube Wingertshardt im  milderen Siegtal.

Die in den Tallagen angesetzten Stollenbauwerke der oft ausgedehnten Eisenerzgruben erschlossen meist auch große seigere Teufen. Bei der damals wegen Holzkohlenmangels kaum ausdehnbaren Erzabnahme der heimischen Eisenhütten reichten die gelösten Vorräte oft bis weit über 100 Jahre hinaus. Extreme Beispiele dafür sind die Gruben Stahlberg in Müsen, Eisenzecherzug in Eiserfeld und auch Hollertszug bei Herdorf-Dermbach. Bei vielen anderen Gruben des Eisenerzbezirks waren die Verhälnisse überwiegend ähnlich, wenn auch nicht so exponiert. Die mit der Erschließung des Gebietes durch die Eisenbahn ab 1861 wachsenden Absatzchancen ließen die alten Planungen meist rasch überholt sein, so daß man sehr bald schon dem Tiefbau unter der Talsohle näher treten mußte, um am Geschäft des sich nun rasch ausweitenden Erzabsatzes teilnehmen zu können. Im damaligen Berg-revier Heller hatte Tiefbau vorher erst auf 3 Gruben stattgefunden, wovon Bollnbach sowie Stahlert mit Kunsträdern und Guldenhardt mit einer Wassersäulenmaschine arbeiteten.

Da der Abbau über den Tiefen Stollensohlen oft schon fortgeschritten war und die Zeit zu neuen Aufschlüssen vielfach drängte, lag die Lösung nahe, die Tiefbauanlage im Tiefen Stollen selbst einzurichten. Von Tage aus niedergebrachte Schächte hätten bis zu 100 m durch bereits ab-gebaute Bereiche gesetzt werden müssen. Für die Errichtung übertägiger Anlagen im oft weithin unwegsamen Gelände fehlte zudem auch die Infrastruktur für die nicht unerheblichen Brennstoffzufuhren an die Dampfkessel, wie alleine auch schon für den Transport der Anlagenteile dorthin.

Die technischen Einrichtungen Die erste Tiefbauanlage auf Eisenerzgruben im Gebiet von Heller und Daade kam so auf dem Tiefen Stollen von Grube Neues Glück in Herdorf 1859 zur Einrichtung. Im gleichen Jahr bereitete man dasselbe auf der Brachbacher Langgrube, •wahrscheinlich im Wasserquelle-Stollen, vor. Im Langgruber Tiefen Stollen kam später (1877) eine druckluftbetriebene Anlage mit übertägiger dampfbetriebener Drucklufterzeugung in Betrieb. Dagegen richtete die Herdorfer Grube Zufällig-Glück 1863 einen Maschinenschacht übertage ein, der drei Jahre danach die erste übertägige Anlage der Grube Bollnbach folgte. Auf Kulnwalderzug soll eine Maschinenschachtanlage noch im Wasserquelle-Stollen eingerichtet worden sein.

 Mit weiteren Tiefbauanlagen auch auf ihrer Tiefen Stollensohle folgten bis 1880 noch die Bergwerke Stahlert, Wüstseifen, Glücksbrunnen, Ohligerzug, Reutersbruch, wahrscheinlich auch die Gruben Alte Kaulen, Rosengarten, Kram, Grundseifen und Ecke, bei denen in der Bergrevierbeschreibung die größte Teufe jeweils mit der tiefsten Sohle übereinstimmend angegeben wird.

Auch im Nachbarrevier Burbach entstanden solche Anlagen, wie im Kunstertal 1874 auf Grube Steimel und 1872 auf Grube Frauenberg. Auf letzterer sind die untertägigen Maschinenräume ganz ähnlich wie auf Grube Hüttenwäldchen, wenn auch - durch die offenbar geringere Standfestigkeit des umgebenden Gebirges bestimmt - im Gewölbe gemauert und rechtwinklig gegeneinander angeordnet gewesen. Sie enthielten eine liegende Zwillingsdampffördermaschine von 15 PS und eine einzylindrige Wasserhebungsmaschine von 45 PS.

Eine dieser für jene Zeit typischen im Stollen untergebrachten Maschinenschachtanlagen ist uns in Einzelheiten durch den Siegener Ingenieur Heinrich Macco überliefert. Er ist der einzige gewesen, der tech-nische Anlagen des Siegerländer Bergbaus dokumentiert und so der Nachwelt erhalten hat. Spätere Techniker und vor allen die der letzten Bergbauperioden - mit Ausnahme der Aufbereiter - haben es leider nicht fertiggebracht, die Einrichtungen ihrer Zeit aufzuzeichnen, so daß wir heute von den bergtechnischen Großanlagen im Siegerländer Eisenerzbergbau kaum mehr Einzelheiten kennen. Macco hat neben anderen typischen Maschinenschachtanlagen der industriellen Frühzeit die untertägige der Eisenerzgrube Glücksbrunnen bei Niederfischbach 1882 eingehend beschrie-ben.

Sie war im Daniel-Erbstollen der Grube angelegt, der 120 m Seigerteufe unter dem Ausgehenden des Ganges einbrachte. Bei der Frage der Standortbestimmung hat neben dieser großen Höhe auch Ausschlag gegeben, daß der nach übertage hochgeführte Schacht eine in Stollenhöhe be-kannte, mit 3 m sehr nachbrüchigem Inhalt gefüllte Störungszone hätte durchsetzen müssen, was seine Standsicherheit beeinträchtigt und zu anhaltend großen Schachtunterhaltungsarbeiten geführt hätte. Um den aufwendigen Ausbau der Maschinenräume zu vermeiden, hat man sie weitgehend unterteilt, dann aber beim Auffahren in weniger festem Gebirge sich doch entschlossen, sie auszumauern.

Die Anlage ist 1869-70 ausgeführt worden. Ausgelegt wurde sie auf eine Endteufe von 200 m. Die Fördermaschine war eine liegende Zwillingsdampfmaschine mit 260 mm Zylinder-0 bei 520 mm Hub. Das Vorgelege zu den zylindrischen Seiltrommeln besaß eine Übersetzung von 1:5. Die Seiltrommeln hatten l885 mm 0 und 550 mm lichte Weite, die Umlenk-Seilscheiben im Turm hatten 1570 mm 0. Die Fördergeschwindigkeit betrug l m/sec (nach der Bergrevierbeschreibung von 1882: 4 m/sec bei Förderung, l m/sec bei Seilfahrt, Korbgewicht: 1492 bzw. 915 kg, Seil-0:21 mm). Der Schacht hatte Abmessungen von 3,71x1,99 m und war in die 2 Fördertrümer sowie Fahr- und Pumpentrum eingeteilt. Die Sohlen waren auf 28 m, 52 m, 82 m und 112m ausgesetzt.

Die Wasserhaltungseinrichtungen bestanden aus einer doppelt, direkt auf das Pumpengestänge im Schacht wirkenden Dampfmaschine mit Kondensation von 630 mm Zylinder-0 und 1885 mm Hub sowie Steuerung mit 2 Katarakten. Als Pumpe diente ein vom Gestänge betätigter Drucksatz von 290 mm 0. Dampferzeuger waren 2 Siederohrkessel aus je einem Ober- und einem Unterkessel bestehend. Ihre Heizfläche betrug jeweils etwa 39 m2.

Der Stollen verfügte - wie allgemein üblich - über eine gemauerte Rösche unter dem Gleis. Aus ihr speiste man sowohl das Bassin für Kondensationswasser (zwischen Pumpengegengewichtsraum und Stollen) als auch das im Verbindungsgang zwischen Fördermaschine und Kessekaum gelegene Bassin für das Speisewasser der Kessel. Dieses erhielt seinen Zufluß über einen unter dem Kesselraum verlaufenden und mit mehreren Staustufen zur Reinigung versehenen Kanal. Das gepumpte Wasser floß unterhalb davon in der Rösche ab. Neben dem auch übertage noch 13m hoch aufgeführten Schornstein für die Kesselabgase (und wahrscheinlich auch den Zylinderabdampf) bestand im Scheitel des Kesselraumgewölbes ein Wetterschacht für die Belüftung. Die Dampfleitungen waren zwar sorgfältig isoliert, dennoch traten am Fördermaschinistenstand Temperaturen von 35 o C auf.

Weitgehend einheitlich verwendete man um diese Zeit als Fördermaschinen Zwillingsdampfmaschinen mit Vorgelege, die meist zylindrische Seiltrommeln antrieben. Ihre Leistung lag zwischen 6 - 25 PS (nur die dem „Eisenbahnkönig" B. H. Strousberg gehörende Grube Tiefe Kohlenbach besaß eine 100 PS starke Anlage). In der Wasserhaltung kamen anfangs vor-wiegend l-zylindrische Cornwall-(Kondensations-)Maschinen zum Einsatz, deren direkt wirkender Dampfzylinder am senkrecht im Schacht hängenden, meist noch hölzernen Pumpengestänge angeschlossen war. Da in ihnen wegen nur geringer Massen die Expansion des Dampfes jedoch nicht genügend ausgenutzt werden konnte, wurden in den späteren Anlagen (ab etwa 1880) zunehmend Maschinen mit Hilfsrotation nach dem System Kley verwendet. Eine solche war auf der Grube Apfelbaumerzug 1880 in Betrieb gekommen. Daneben waren auch kombinierte Förder- und Pumpenmaschinen, bei deen eine Treibstange ein über dem Pumpentrum des Schachtes angeordnetes Kunstkreuz trieb, in Benutzung. Die Pumpen waren abgesehen von noch im Einsatz befindlichen, älteren Hubsätzen bereits Druckpumpen mit Plunger, die von dem Pumpengestänge getrieben wurden. Von dieser Anordnung her rühren die auffallend sehr weiten Pumpentrume der alten Maschinenschächte.

Um 1890 waren die neuen Fördermaschi-nen der nun schon bis an 400 m tiefen Schächte durchaus schon 300 PS stark. Sie Hieben den Seilträger direkt an. Die Wasserhaltung wurde schon bei über 20 % der Anlagen von untertägigen Dampfpumpen bewältigt. Ausschließlich in Eisen war zu der Zeit noch kein Schacht ausgebaut.

Die Anlage im Stollen von Hüttenwäldchen läßt sich nach diesen Vorgaben zeitlich gut einordnen. Es fehlte eine Maschine für die Wasserhaltung. Die im Schacht noch aufgefundenen Steigleitungen werden daher einer Dampfpumpe befüllt worden sein. Auch der Umstand, daß der Schacht mit eisernen Einbauten versehen ist, die im oberen Bereich durch Nachbrechen der Schachtwandungen aus ihrer Lage gekommen sind, läßt die Tiefbauanlage selbst erst gegen Ende des Jahrhunderts als entstanden bestimmen. Damit erhärtet sich die Annahme, daß die Grube zwar in ihrer Betriebsperiode um 1860 wohl schon den Bau des Maschinenraumes begonnen hat, die Tiefbauanlage aber erst in der folgenden Periode ab Ende der 1890er Jahre tatsächlich ausgeführt oder fertiggestellt worden ist.

Die Einrichtungen sind zwar weitgehend geraubt worden, und nur feste Einbauten wie Fundamente und der Schomsteinunterbau sind noch erhalten. Es fanden sich indes eine Reihe kleinerer Eisenteile, deren Identifizierung vielleicht noch Hinweise auf die genauere Art der einmal eingebauten Maschinen geben können.

Stollen und Maschinenraum sind den Bearbeitungsspuren nach von Hand in Bohr- und Schießarbeit (etwa 22 mm Bohrloch-0) ausgebrochen worden. Das Gebirge ist bei einem diagonalem Streichen der dem Grauwackenschiefer ähnlichen Schichten sehr standfest, weshalb die Erbauer keine Einwölbung vorgenom-men haben. Ausreichende Bewetterung lie-fert das Überhauen, in dem der Grubenschornstein mit reichlich freiem Ringraum steht.

Unter der Sohle liegende Kanäle und ähnliche Einrichtungen sind noch nicht freigelegt. Lediglich ist ein Verbindungsschacht zur 4 m tieferen Rösche, als die der alte Tiefe Stollen gedient haben wird, festgestellt worden. Auch ist eine Reihe von Bühnlöchern innerhalb der Räume noch unbestimmt.

Besonderes Interesse kommt dem Schornsteinunterbau zu, der sich am inneren Ende des Kesselraumes beim Übergang zum Fördermaschinenraum angeordnet findet. Es ist der bislang erste dieser Art, der aus der Zeit vor 100 Jahren wieder zugänglich geworden ist. Ganz aus Ziegelstein gemauert, besitzt er 2 übereinander gelegene Eingangsöffnungen, von denen die obere als Rauchgaseingang und die untere als Kontrollöffnung gedeutet werden. Die Rohreinführungen und Verschlüsse fehlen leider. Ein nur etwa 2 Zoll starkes Rohr, das an der Seite zum Maschinenraum vom Boden her zum Oberteil führt, könnte mit der Abdampfführung zusammenhängen.

Auf dem gemauerten Unterbau steht inmitten des seigeren Überhauens die eigentliche Esse aus übereinander gesetzten standartisierten Beton-Kanalrohren. Bislang war unbekannt, wie solche „Grubenschornstein" genannten Einrichtungen in ihren Einzelheiten ausgeführt waren. Die Anordnung der Esse innerhalb des Wetterüberhauens muß sehr wirkungsvoll gewesen sein, da das warme Essenrohr im Überhauen dem Wetterzug zusätzlichen Auftrieb zur Verbesserung der klimatischen Bedingungen in den Kessel- und Maschinenräumen verliehen hat. Übertage ist das austretende Überhauen vor etwa 3 Jahrzehnten mit einer Betonplatte gesichert worden. In ihr steckt ein kurzes 100 mm weites Rohr als Kontrollöffnung. Von einem vielleicht schornsteinartigen Aufbau findet sich nichts mehr.

Das spätere Schicksal der Grube nach 1909 läßt sich aus den Akten noch nachvollziehen, indem nach Änderung der Statuten 1926 der Grubenvorstand durch einen Repräsentanten ersetzt wurde und 1935 dann die Grube auf den Namen der Gewerkschaft des Nachbarfeldes „Neuer Petersberg" in Herdorf übertragen worden ist. 1956 gelangte die Berechtsame im Zuge der Zusammenfassung des Siegerländer Eisenerzbergbaus von 1953 schließlich an die Erzbergbau Siegerland AG in Betzdorf, deren Rechtsnachfolgerin heute die Barbara Rohstoffbetriebe GmbH in Nammen ist. Während des letzten Krieges soll der Stollen als Luftschutzbunker gedient haben. Dabei ist offenbar die wohl feuchte Sohle des Stollens mit Bergematerial einige dm hoch durchgehend aufgefüllt worden.

(nach: Gleichmann, H. Dietrich, Grube Hüttenwäldchen bei Dermbach (Stadt Herdorf), 2. Aufl. Claustal-Zellerfeld 2004).