Hüttenwäldchen Stollen Dermbach Samstag, 16.12.2017, 15:39:00
Hwttenwäldchen Stollen Dermbach Mineralien & Bergbaufreunde Siegerland-Herdorf e.V - Brauchtumspflege im ehemaligen Eisenerzbergbaurevier Siegerland-Herdorf
Mineralien & Bergbaufreunde Siegerland-Herdorf e.V - Brauchtumspflege im ehemaligen Eisenerzbergbaurevier Siegerland-Herdorf
HomeHome AktuellesAktuelles LegendeLegende VereinVerein WissenswertesWissenswertes KontaktKontakt
Hüttenwäldchen Stollen Dermbach


Bergbau und Huettenwesen
» Erzbergbau Siegerland

Siegerländer Mineralien

ImpressumImpressum


  Bergbau und Huettenwesen


Die Bergschmiede
 
Das wichtigste Gezaehe (Werkzeug) des Bergmanns waren Schlegel und Eisen. Das Eisen stellt eine Art Meissel dar, der etwa in der Mitte ein Loch zum Durchstecken eines Holzstieles besitzt. Dieser Holzstiel ermoeglicht dem Bergmann ein lockeres Halten und Fuehren, waehrend er mit dem Schlegel, einer Art Hammer, auf das  Ende des Eisens schlaegt.  Dieses lockere Halten und Fuehren ist wichtig, weil sich sonst  die Wucht der Schlaege schmerzhaft auf den Arm uebertraegt. 

Der Gebrauch von Schlegel
und Eisen nach Agricola 1556

Eine Bergschmiede in der Naehe der Stollen-
und Schachtmuender nach Beham 1530

Die Eisen (auch Bergeisen genannt) unterlagen einer harten Beanspruchung, der ihr Stahl nur wenig gewachsen war. Die Bergschmieden, die sich in der Naehe der Bergwerke befanden, dienten der Herstellung und Reparatur der Gezaehe. Hier wurden verschlagene Eisen – wenn moeglich - wieder hergerichtet. Nicht mehr reparaturfaehige Bergeisen wurden verworfen und bilden interessante Funde der Archaeologen. 

Verschlagene Bergeisen nach Schwabenicky (Die mittelalterliche Bergbausiedlung auf dem Treppenhauer bei Sachsenburg (Kr. Hainichen), Arbeits- und Forschungsberichte zur saechsischen Bodendenkmalpflege 32, 1988, 237-66.)

Links zwei plastisch verformte Teile,
rechts ein sproed gebrochenes Teil


Die maessige Qualitaet zwang die Bergleute, beim Einfahren ein ganzes Buendel von Eisen mitzunehmen.

Einfahrender Bergmann  mit
seinen Eisen für eine Schicht
nach Heinrich Gross um 1550

Der Schlegel und ein Eisen blieben
nach Arbeitsschluss gekreuzt vor
Ort liegen – als Glueckszeichen 


 
Die Qualitaet der Eisen war nach heutigen Massstaeben schlecht, aber wie schlecht, ist noch nicht untersucht worden. Metallographische Untersuchungen von Haerte und Haerteverlauf über die Laenge der Eisen koennten hierueber Aufschluss geben.  Wie gut wurde der Haertungsprozess beherrscht? Wie faehig waren die Bergschmiede? Waren es „hauptamtliche“ Handwerker oder angelernte, invalide Bergleute?Archaeometrische Untersuchungen hierzu sind geeignet, eine Forschungsluecke zu verkleinern, wenn vielleicht auch nicht zu schliessen.
 
 
Das Roesten
 
Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht muessen sulfidische Erze, z. B. Bleiglanz PbS, Kupferkies CuFeS2, vor dem Reduzieren zum Metall nicht unbedingt abgeroestet werden. Der intentionelle Roestprozess scheint vielmehr erst im Laufe einer technologischen Entwicklung eingefuehrt worden zu sein. Zunaechst duerfte es sich um einen reinen Erhitzungsprozess gehandelt haben (bei dem natuerlich nebenbei ein Roesten erfolgte), der das Zerkleinern der Erzbrocken erleichtern sollte. Irgendwann erkannten die sehr faehigen Huettenleute, dass sich ein so vorerhitztes Erz leichter mit besserer Ausbeute zum Metall verhuetten liess – die Geburt des intentionellen Roestprozesses.Der Huetteningenieur  C. E.  Conophagos (Le Laureum antique et la technique grecque de la production de l’argent (1980)) grub die attischen Blei- bzw. Silber-Berg- und Huettenwerke von Lavrion aus, deren Bluetezeit in das 5. und 4. vorchristliche Jahrhundert datiert wird. Trotz intensiver Suche fand er keine Roestplaetze, was ihn dazu fuehrte, einen einstufigen Prozess zur Bleigewinnung aus Bleiglanz (Bleisulfid) und dem daraus durch Verwitterung entstandenen Cerussit (Bleikarbonat) zu postulieren. Er nahm dazu an, dass dieser Prozess in etwa 4 m hohen Oefen durchzufuehren ist.R. Hetherington (Investigations into Primitive Lead Smelting und its Products, in: W. A. Oddy (Hrsg.), Occational Paper No. 17, British Museum 1980) vertritt die Ansicht der direkten Verhuetbarkeit sulfidischer Bleierze und fuehrte entsprechende Versuche mit einem kleinen Ofen durch. 
H. G. Bachmann (Archaeometallurgische Untersuchungen zur antiken Silbergewinnung in Laurion, II. Charakterisierung von Bleiverhuettungs-schlacken  aus Laurion, Erzmetall 35, 1982, 246-51) trägt diese Ansicht mit: es ist moeglich, „Bleiglanz auch ohne vorausgehenden separaten Roestprozess zu Blei“ zu verhuetten.Chemisch stellt sich dies so dar: im Ofen befindet sich ein Holzkohle-Bleisulfid-Gemisch. Bei geringer Luftzufuhr und daher zunaechst niedriger Temperatur kann sich auf Grund des Boudouard-Gleichgewichts (CO2 + C? 2 CO; das Gleichgewicht verschiebt sich bei steigender Temperatur nach rechts) eine oxidierende Atmosphaere (viel O2 , wenig CO) ausbilden, in der Bleisulfid zu Bleioxid und Bleisulfat oxidiert wird. Bei danach verstaerkter Luftzufuhr erhöht sich die Temperatur, wodurch sich eine reduzierende Atmosphaere (viel CO) ausbilden kann und restliches Bleisulfid entweder direkt reduziert wird oder mit Bleioxid und Bleisulfat zu Blei reagiert.Dies liest sich sehr kompliziert; die alten Huettenleute verfuegten jedoch ueber ein ungeheures empirisch gewonnenes Wissen, das sie diesen Prozess sicher durchfuehren liess, freilich, ohne ihn zu verstehen.
Irgendwann muss man jedoch die Vorteile des separaten Roestens erkannt haben, vielleicht im Hochmittelalter, als die Blei- bzw. Silberproduktion stark anstieg.
Agricola (De Re Metallica (1556)) beschreibt eine Unzahl von Moeglichkeiten zur Durchfuehrung des Roestprozesses, die dem jeweils zu verhuettenden Erz angepasst waren.
Es erhebt sich der Verdacht, dass die praehistorischen Roestplaetze in den Alpen fuer Kupfererze in Wirklichkeit „Gluehplaetze“ waren, auf denen die rohen Erzbrocken geglueht und evtl. mit Wasser abgeschreckt wurden, um sie leichter zerkleinern zu koennen. Das Erz konnte dann leicht von der Gangart durch Ausklauben getrennt werden. Die Lage sog. Roestplaetze in der Naehe der Stollenmuender stellt sich als sehr sinnvoll heraus. Natuerlich erfolgt neben dem Gluehen stets auch ein Roesten, aber eben zunaechst nicht intentionell.